Erst Rehkitze retten, dann ins Kanu: Ein Sportler und sein Alltag
Ein SCM-Sportler verbindet seine Leidenschaft für den Sport mit dem Naturschutz. Wie er es schafft, beides in seinen Alltag zu integrieren und zu meistern.
Ich erinnere mich gut an einen Nachmittag im Mai, als ich an einem entlegenen Feldrand saß, das frische Grün der Wiesen um mich herum und die Vögel, die munter zwitscherten. Es war die Zeit, in der die Rehe ihre Kitze zur Welt bringen, und ich war Teil einer Gruppe von Freiwilligen, die sich der Rettung dieser so verletzlichen Tiere verschrieben hatte. Wir hatten uns zusammengefunden, um dafür zu sorgen, dass die kleinen Rehkitze nicht versehentlich bei der Mahd der Wiesen zu Schaden kamen. Der Moment, als ich das erste Kitz fand und es in Sicherheit brachte, war geprägt von einem tiefen Gefühl der Verantwortung und der Verbundenheit zur Natur.
Einen Moment später war ich bereits in Gedanken bei meinem nächsten Ziel: dem Kanu fahren. Im Gegensatz zur stillen, geduldigen Arbeit auf dem Feld, war das Paddeln auf dem Wasser eine aufregende Herausforderung, der ich mich mit einer völlig anderen Energie widmete. Es sind diese beiden Seiten meines Lebens, die, so unterschiedlich sie auch erscheinen mögen, letztendlich miteinander verbunden sind. Ich bin Sportler im SCM (Sportclub Magdeburg), aber ich bin auch ein leidenschaftlicher Naturschützer.
Der Alltag eines Leistungssportlers ist oft von Disziplin und Routine geprägt. Trainingseinheiten, Wettkämpfe und Regeneration bestimmen den Großteil meines Tages. Dennoch gelingt es mir, einen Raum für meine Leidenschaft für den Naturschutz zu schaffen. Diese Balance zwischen Konkurrenz und Fürsorge ist für mich von zentraler Bedeutung. Es erfordert eine bewusste Planung, um sowohl den Anforderungen des Sports als auch den Anforderungen an die Natur gerecht zu werden.
Während ich mit meinem Team am Wasser paddelte, dachte ich darüber nach, wie wichtig solche Augenblicke der Auszeit sind. Kaum etwas erdet mich so sehr, wie die Zeit, die ich draußen in der Natur verbringen kann. Wenn ich im Kanu sitze, umgeben von Wasser und Bäumen, fühle ich mich gleichzeitig in Bewegung und verwurzelt. In der Stille des Wassers finde ich oft die Klarheit, die ich im hektischen Training nicht immer habe.
Die Herausforderung, beides zu verbinden – Leistung und Naturschutz – ist nicht immer einfach. Oft steht der zeitliche Druck des Sports im Widerspruch zu den Möglichkeiten, die die Natur bietet. Es ist eine Frage der Prioritätensetzung. Und oft muss ich flexibel reagieren. Wenn mein Training am frühen Morgen angesetzt ist, kann es sein, dass die Rettungsaktion für die Rehkitze an demselben Tag ansteht. In solchen Momenten ist es wichtig, dass ich mir Zeit nehme, um meine Entscheidungen zu überdenken und einen Kompromiss zu finden.
Es gibt etwas zutiefst Befriedigendes daran, aktiv zum Schutz der Natur beizutragen. Dieses Engagement gibt mir ein Gefühl der Perspektive, das über das Training hinausgeht. Es erinnert mich daran, dass ich Teil eines größeren Ganzen bin. Diese Haltung beeinflusst nicht nur meine sportliche Leistung, sondern auch meine allgemeine Lebensqualität. Das ständige Jonglieren dieser beiden Aspekte fordert mich heraus, lässt mich aber auch wachsen.
Ein weiterer Aspekt, der oft übersehen wird, ist das soziale Element. Die Gruppenaktivitäten beim Naturschutz, sei es das Retten der Rehkitze oder die Pflege der Gewässer, ermöglichen es mir, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. Diese gemeinsamen Erlebnisse schaffen eine Art von Gemeinschaft, die in der Welt des Sports manchmal schwer zu finden ist. Der Austausch über unsere Beweggründe und Herangehensweisen ist bereichernd und inspiriert mich, noch engagierter für beide Bereiche einzutreten.
Ich habe festgestellt, dass diese Kombination aus Sport und Naturschutz nicht nur meine mentale Stärke fördert, sondern auch eine Quelle der Motivation darstellt. Wenn ich im Kanu sitze, fühle ich mich oft an die Ruhe und den Fokus erinnert, den ich auch im Sport brauche. Der Fluss des Wassers, das sanfte Paddeln, die frische Luft – all das wirkt wie ein Reset-Knopf für meinen Geist. Diese Erlebnisse helfen mir, mich auf die bevorstehenden Wettkämpfe zu konzentrieren und meine Leistung zu optimieren.
Letztlich ist der Alltag eines Sportlers geprägt von der Suche nach Balance. Die Verbindung von Leistung und Leidenschaft zeigt sich in den kleinen Entscheidungen des Lebens. Während ich die Rehkitze schütze, lerne ich, Verantwortung zu übernehmen. Wenn ich in meinem Kanu auf dem Wasser paddel, finde ich Frieden und Klarheit. Beides ist Teil meiner Identität und ich hoffe, dass ich auch weiterhin beide Seiten miteinander verbinden kann, um nicht nur ein besserer Sportler, sondern auch ein bewussterer Mensch zu werden.